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Der Zingel – eine Hauptachse des Verkehrs in Hildesheim (Teil 2)
 
Mittwoch, 8. Mai 2013 
 
Im Juni 2011 verabschiedete die Stadt Hildesheim den „Integrierten Verkehrsentwicklungsplan 2025“ (IVEP 2025), in dem die Ziele und Handlungsfelder für die nächsten 15 Jahre benannt wurden.

http://www.pvtgmbh.de/2008/main/asp_news/Files/DataFile.asp?FileID=284
© Rathaus Hildesheim / rot=Steuerwalder Straße / blau= Zingel/Kennedydamm

An dieser Stelle sollen die besonderen Ziele des IVEP 2025 hinsichtlich des Fußgängerverkehrs, des Radfahrverkehrs und des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) benannt und die Möglichkeiten einer kostengünstigen Realisierung aus verkehrstechnischer Sicht erläutert werden.

Im IVEP 2025 heißt es: An Stellen mit konzentriertem Querungsbedarf sind entweder Mittelinseln mit einer ausreichenden Breite oder Fußgänger-Lichtsignalanlagen einzurichten. Die Wartezeit an Fußgänger-LSA sollte trotz Einbindung der Anlage in Grüne Wellen oder Steuerungsprogramme der benachbarten Knotenpunkte möglichst kurz gehalten werden, um der „Rotläufer-Problematik“ vorzubeugen. Insbesondere in der Nebenverkehrszeit können Anforderungen durch Fußgänger häufig kurzfristig und ohne Einbußen der Leistungsfähigkeit im Kraftfahrzeugverkehr berücksichtigt werden. Alternativ kann mit häufigeren, vergleichsweise kurzen Umlaufzeiten für Fußgänger ein Qualitätsgewinn erreicht werden.
Und weiter an anderer Stelle: Grünzeiten für Fußgänger sind in jedem Umlauf für alle Furten vorzusehen. Die verbreitet vorhandenen Anforderungen für Fußgänger führen zu unnötig langen Wartezeiten bei verspäteter Aktivierung und sind daher abzubauen.

http://www.pvtgmbh.de/2008/main/asp_news/Files/DataFile.asp?FileID=280Nach dem großen Erfolg der an der Steuerwalder Straße vorgenommenen Änderungen, erteilte die Stadt Hildesheim der PVT Essen GmbH den Auftrag zur Prüfung, welches Verbesserungspotential für die Verkehrsqualitäten der Radfahrer und Fußgänger auf einer der Hauptachsen Kennedydamm / Zingel im Bereich zwischen der Kaiserstraße und dem Paul-von-Hindenburg-Platz zu erzielen ist, um möglichst den „modal split“ dieser Verkehrsteilnehmer von derzeit 34% auf 40% zu erhöhen.

Im Rahmen dieser Untersuchung wurden an folgenden Knotenpunkten mit Lichtsignalanlagen die Leistungsfähigkeiten für die aktuelle Belastung und die Belastungshorizonte für die Jahre 2015 und 2025 ermittelt:

Knoten  616  Kennedydamm / Kaiserstraße / Bismarckstraße
Knoten  522  Kennedydamm / Bahnhofsallee / Einumer Straße
Knoten  526  Zingel / Theaterstraße
Knoten  528  Zingel / Rathausstraße / Binderstraße und
Knoten  420  Schuhstraße / Goslarsche Straße / Zingel / Wollenweberstraße

Die Belastungszahlen von 2011 und die Prognosewerte für 2015 und 2025 wurden von der Stadt Hildesheim zur Verfügung gestellt. Die verwendeten Berechnungsverfahren zum Nachweis der Verkehrsqualität für den Kraftfahrzeugverkehr und die Fußgänger an Knotenpunkten mit Lichtsignalanlagen basieren auf dem HBS (Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen der Forschungsgesellschaft für Straßen – und Verkehrswesen, Ausgabe 2001. Da bei diesen Leistungsfähigkeitsberechnungen immer von Festzeitprogrammen ausgegangen wird, ist die Forderung „Daueranforderung der Nebenrichtung mit automatischer Freigabe der parallelen Fußgänger / Radfahrer“ automatisch in der Berechnung berücksichtigt.

http://www.pvtgmbh.de/2008/main/asp_news/Files/DataFile.asp?FileID=285
© Google Inc.

Für diese Untersuchung wurden Programme mit verkürzten Umlaufzeiten auf Grundlage der bestehenden Zwischenzeiten entwickelt. Dort wo eine verkürzte Umlaufzeit aus verkehrstechnischen Gründen nicht möglich ist, wurde in dem betreffenden Programm die Fußgängerfreigabezeit erhöht.

Exemplarisch für den gesamten Streckenzug Kennedydamm / Zingel soll der Knoten 616, Kennedydamm / Kaiserstraße / Bismarckstraße genauer betrachtet werden. Die Verkehrsbelastung ist an diesem exponierten Knotenpunkt z. Zt. mit 54.520 Fz/Tag enorm hoch. Die Prognose für 2015 liegt nur unwesentlich darunter mit 53.350 Fz/Tag (minus 2,1%) und auch in 2025 werden noch 59.000 Fz/Tag erwartet. (minus 9% gegenüber 2011).Dabei ist auf dem Kennedydamm aus Richtung Süden lt. IVEP 2025 mit einer Verkehrszunahme zu rechnen. Waren es 2011 etwa 10.650 Fz/Tag, so ist 2015 mit 11350 Fz/Tag (plus 6,6%) und auch 2025 noch mit 11150 Fz/Tag (plus 4,7%) eine höhere Verkehrsbelastung als 2011 zu erwarten. Dies ist gemäß dem „Integrierten Verkehrsentwicklungsplan 2025“ auch so gewollt, um den Durchgangsverkehr aus sensiblen Bereichen (Roonstraße / Moltkestraße) auf besser geeignete Hauptverkehrsstraßen zu verlagern.

Schon bei dem derzeit hinterlegten Festzeitprogramm mit einer Umlaufzeit von 120 Sekunden weisen die Leistungsfähigkeitsberechnungen sowohl für die Fahrverkehre als auch die Fußgänger über die Hauptrichtung Kaiserstraße / Bismarckstraße die unakzeptable Qualitätsstufe F auf. Um hier eine entscheidende Verbesserung der Verkehrsqualitäten zu erreichen, wäre es sinnvoll, die bisher vollverkehrsabhängig betriebene Lichtsignalanlage in ein koordiniertes System (Grüne Welle) sowohl mit den anderen Anlagen in Nord-Süd-Richtung als auch mit den Anlagen in Ost-West-Richtung einzugliedern.

Mittels einer Änderung der Programmstruktur und einer Optimierung der Freigabezeiten gelingt es, bereits für den Istzustand eine deutliche Verbesserung des Verkehrsablaufes bei einer Umlaufzeit von 90 Sekunden zu erzielen. Zwar wird bei der Leistungsfähigkeitsberechnung für den Fahrverkehr weiterhin eine Gesamtverkehrsqualität F erreicht, aber gegenüber 2011 wird sich der durchschnittliche Wartezeitwert von 382,2 Sekunden auf 109,8 Sekunden reduzieren, sodass bereits durch diese Änderung eine deutliche Verbesserung eintritt.

Auch die Verkehrsqualität für die Fußgänger über die Hauptrichtungen Kaiserstraße und Bismarckstraße verbessern sich deutlich; von Qualitätsstufe F auf C über die Bismarckstraße und D über die Kaiserstraße. Nur die Qualitätsstufe der Fußgänger über den südlichen Kennedydamm verschlechtert sich leicht von B auf D. Dies wird aber für eine Spitzenstunde als ausreichend eingeschätzt.

Für das Prognosejahr 2015 kann durch eine leicht veränderte Programmstruktur eine Umlaufzeit von 80 Sekunden erreicht werden. Für den Fahrverkehr ergibt sich eine Gesamtverkehrsqualität E bei einer durchschnittlichen Wartezeit von nur noch 94,1 Sekunden. Und die Verkehrsqualitäten für die Fußgänger verbessern sich weiter, kein Fußgänger wird schlechter als der befriedigenden Qualitätsstufe B bewertet; der Fußgänger über die Bismarckstraße erreicht sogar die gute Qualitätsstufe B.

Im Prognosejahr 2025 gelingt es sogar, die Umlaufzeit auf 75 Sekunden zu reduzieren. Dieses Programm würde bei der Leistungsfähigkeitsberechnung für den Fahrverkehr eine Gesamtverkehrsqualität D erzielen, wobei die Wartezeit für den Fahrverkehr sogar auf 54,2 Sekunden reduziert werden könnte. Da sich die Verkürzung der Umlaufzeit auch auf die Freigabezeitlänge der Fußgänger auswirkt, kann die Verkehrsqualität für die Fußgänger gegenüber dem Ergebnis für 2015 nicht weiter verbessert werden.

In der nachstehenden Tabelle werden die erzielten Ergebnisse gegenübergestellt, um die erreichten Verkehrsqualitäten in der Übersicht für die verschiedenen Prognosezeiträume und den sich reduzierenden Umlaufzeiten darzustellen.

SignalgruppeFahrtrichtung2011Opt. 201120152025
 Umlaufzeit120 s90 s80s75s
K1Bismarckstraße  geradeaus / rechts     CD
 DD
K1Bismarckstraße  geradeausBBCD
K1LBismarckstraße  linksFCDD
K2Kaiserstraße geradeausACDD
K2LKaiserstraße linksCEDD
K3Kennedydamm, Nord, geradeausFDFD
K3LKennedydamm, Nord, linksFFCB
K4Kennedydamm, Süd, geradeausFDEC
K4LKennedydamm, Süd, linksFFFD
 Qualitätsstufe gesamt FahrverkehrFFED
 Durchschnittliche Wartezeit Fahrverkehr382,2 s109,8 s96,1 s54,2 s
F1Über BismarckstraßeFCBB
F2Über KaiserstraßeFDCC
F3Über Kennedydamm NordDCCC
F4Über Kennedydamm SüdBDCD

Somit kann folgendes Fazit gezogen werden:

Zur Umsetzung der Zielstellungen des IVEP 2025 Hildesheim am hoch belasteten Knotenpunkt 616 besteht bereits heute dringender Handlungsbedarf zur Veränderung.

Als erster Schritt sollte ein optimales Programm mit veränderter Programmstruktur und optimierter Freigabezeitverteilung bei einer Umlaufzeit von 90 Sekunden geschaltet werden. Es könnte mit relativ geringem Aufwand eine große Reduzierung der durchschnittlichen Wartezeiten für den Fahrverkehr und eine deutliche Verbesserung der Verkehrsqualitäten für die Fußgänger über Kaiserstraße / Bismarckstraße erzielt werden.

Als zweiter Schritt können für den kurzfristigen Prognosehorizont 2015 die Programmparameter des optimierten Programms von 2011 an die neuen Belastungen angepasst werden, womit sich die Knotenpunktgesamtqualität bei einer Umlaufzeit von 80 Sekunden auf die Qualitätsstufe E verbessert.

Und im letzten Schritt ist es unter den prognostizierten Belastungen in 2025 möglich, die Umlaufzeit sogar auf 75 Sekunden zu kürzen, wobei sich die durchschnittlichen Wartezeiten für den Fahrverkehr noch einmal reduzieren und sogar die Qualitätsstufe D erreicht wird. Anzumerken ist jedoch, dass die Verkehrsqualität für die Fußgänger sich dadurch aber nicht mehr verändern.

An den Knotenpunkten 522, 526, 528 und 420 am Kennedydamm / Zingel können bei spezifischer Betrachtung der örtlichen Bedingungen und der teilweise wechselnden Verkehrsbelastungen durch Reduzierung der Umlaufzeiten, veränderter Programmstruktur, automatischer Bedienung der Fußgänger über die Hauptrichtung, Erhöhung der Fußgängerfreigabezeiten und unter Beibehaltung der ÖPNV-Priorisierung bemerkenswerte Verbesserungen unter den Prämissen des IVEP 2025 erreicht werden.

Somit ist das Ziel des IVEP 2025 , den modal-split für Fußgänger und Radfahrer von 34 % auf 40% zu erhöhen, keine Utopie sondern ein reales Ziel, wozu PVT Essen GmbH mit seinen verkehrstechnischen Untersuchungen und Gutachten einen wirkungsvollen Beitrag leisten kann.

Weitere Einzelheiten können Sie von Herrn Peter Nolden unter der Tel.-Nr.  0201-3191420 erfahren

Im dritten Teil können Sie erfahren, wie Stadtteile ökologisch, lärmfrei, schnell und ökonomisch verbunden werden können unter dem Motto: Gartenstraße-Zingel-Bahnhofsallee - Die schnelle Radverbindung in Hildesheim.

Besuchen Sie bitte auch unsere Videoseite.

Anlagen: Lichtsignalanlagen auf dem Kennedydamm / Zingel  (PDF)

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